Heart Pitch
Ausstellungsraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf

Archival Pigment Prints, Fotocollagen auf Overheadprojektoren

Text: Julia Ritterskamp 2019

Sind es überhaupt Fotografien? Und falls ja: wie entstehen diese malerisch anmutenden Motive, die allesamt Lichtreflexe und die Illusion von Geschwindigkeit beinhalten? Man muss den Schaffensprozess eines Künstlers sicher nicht immer en Detail erklären, aber bei Astrid Busch sind ein paar Worte zum Vorgehen und motivischen Hintergrund durchaus interessant. Buschs Werk ist inspiriert durch eine rege Reisetätigkeit im Rahmen zahlreicher internationaler Stipendien. Sie nimmt die Energie der besuchten Orte seismographisch auf und baut dann aus mehreren Schichten bestehende Settings aus (teilweise bearbeiteten) Maschinenteilen, Drucken, eigenen Fotografien. Diese werden ausgeleuchtet und wiederum abfotografiert. Am Ende entscheidet die in Berlin und Düsseldorf lebende Künstlerin, ob sie auf Stoffmaterialien, Tapeten oder Fotopapier druckt oder ob eine Projektion für den Raum entstehen soll. Meist greift in der Ausstellungssituation alles ineinander und überlagert sich. Es kommen also zu den Schichten des Entstehungsprozesses weitere im Ausstellungsraum hinzu, und darüber hinaus – im übertragenen und zeitlichen Sinne – Schichten der Erinnerung.

Im Rahmen der Ausstellung Heart Pitch zeigt Astrid Busch größtenteils Werke, welche im französischen Le Havre während ihrer dortigen Residency entstanden. Die Hafenstadt wurde im 2. Weltkrieg nahezu vollständig zerstört und dann als Planstadt wieder aufgebaut. Dieser historische Hintergrund bildet einen idealen Nährboden für die Kernthemen, um welche die Arbeiten von Astrid Busch kreisen: es geht um Geschwindigkeit (hier repräsentiert durch Metallteile verschrotteter U-Boote und Elemente aus der Flugzeugtechnik) und Licht. Sicher kann man diesen technischen Hintergrund noch erahnen, jedoch tritt alles konkret Erfassbare in den Hintergrund und macht die Bühne frei für einen temporeichen Tanz aus Licht, Farbe und Strukturen. Mechanische Teile werden durch den künstlerischen Eingriff somit zu etwas Ephemeren transformiert.

Die zweite Reihe, aus der Werke zu sehen sind, ist mit Spinner nach dem berühmten Science Fiction-Film Blade Runner benannt. „Spinner“ heißen die in dem Film herumfliegenden und durch starke Lichtreflexe auffälligen Polizeiwagen. Auch hier kann sich das Auge an einzelnen gegenständlichen Teilen (z.B. aus Abbildungen von Raumschiffen) festhalten. Ein scheinbarer Halt, der sich umgehend wieder auflöst, wenn sich das Auge vom Fokus eines Einzelteils zum Ganzen hinwendet, welches mit Glanzreflexen und Lichtblitzen den Anschein erweckt, dass wir einem Geschehen gegenüberstehen, welches in stetigem Wandel begriffen ist.

Der Ausstellungstitel illustriert durch „Pitch“ das zentrale Motiv der Geschwindigkeit (z.B. im englischen Sales Pitch). Der Zusatz „Heart“ hat keinen direkten Zusammenhang dazu. Eine Irritation, die so stehen bleibt und Raum für eigene Gedanken gibt.