all colors agree in the dark, Kunsthaus Erfurt
Installation
Archival pigment prints, metallic color on wall, pvc, wood, cardboard, mirror foil, video-projection, wallpapers, photo collages on overhead projectors, mirrors, mdf, plexiglas, print on fabric, colored floodlight, Aluminium

Form follows fiction and function
Astrid Buschs Ausstellungstitel “all colors agree in the dark”, dem die deutsche Redewendung „Nachts sind alle Katzen grau“ noch am ehesten entspricht, verweist auf die genuine Bedeutung des Lichts, das unsere Welt visuell erst erfahrbar macht. So stellt sich schon beim Betreten der Ausstellung die leitmotivische Frage: Was passiert mit Farben und Formen, sobald sie mit Licht in Berührung kommen, von der Dunkel- in Helligkeit übergehen, regelrecht also „in Szene“ gesetzt werden? Fotografie, um die es der Künstlerin in all ihren Ausdrucksvarianten geht, heisst nicht umsonst wörtlich übersetzt das „Malen mit Licht“.

Astrid Busch arbeitet vorwiegend ortsbezogen. Materialien, die sie ihrem Arbeitsalltag entnimmt und im Studio neu zusammensetzt, die sie fotografiert und am Computer bearbeitet, treten in Dialog mit dem Ausstellungsraum. Busch greift die architektonischen und atmosphärischen Eigenheiten ihres Präsentationsortes auf und lässt sie mit Hilfe dekonstruktivistischer Verfahren (Verfremdung, Fragmentierung, Rekontextualisierung) in neuem Licht erscheinen. Für ihr Solo Debüt im Kunsthaus Erfurt hat die Künstlerin eine Ausstellungsdramaturgie entwickelt, die das gesamte Haus in ein begehbares Display verwandelt und schon beim Blick durch das Schaufenster Sogwirkung entfaltet.

Buschs fotografische Arbeiten wirken wie postmoderne Architekturcollagen, auf denen unterschiedlich stark ausgeleuchtete Versatzstücke und Materialien aufeinander treffen: silber glänzendes Metall, spiegelndes Glas, hölzernes Rahmenwerk, technoide Verstrebungen, farbige Geometrien. Die Fotografien werden auf verschiedene Bildträger aufgezogen, direkt auf die Ausstellungswand tapeziert oder projeziert. Dazu gehören sowohl ordentlich gerahmte und gehängte Werke, wie man sie aus repräsentativen Ausstellungskontexten gewohnt ist, als auch beiläufig an die Wand gelehnte Bilder, die so wirken, als seien sie gerade angeliefert oder schon wieder oder zum Abtransport bereit gestellt worden. Großformatige Plakate erinnern an Werbebanner im städtischen Raum, deckenhohe Wandtapeten an Dekorationsrituale, die sonst eher im Wohnraum zur Anwendung kommen. Vorhangartige Prints weisen den Galeriekontext schließlich als das aus, was er im ureigensten Sinne ist: Eine performative Bühne, auf der Kunst zur Schau gestellt wird. So treffen unter dem Dach des Wohn- und Kunsthauses all die Stilmittel aufeinander, die unser öffentliches und privates Leben in einen Illusionsraum verwandeln.

Durch installative Settings, wegweisende Wandmarkierungen, bewegte Projektions- und Beleuchtungssysteme konzipiert Astrid Busch ihre Ausstellung als raumübergreifendes Referenzsystem, das uns den verschachtelten Altbau des Kunsthauses als dynamisches Vexierbild erleben lässt. Gerade weil uns die Künstlerin ein multiperspektivisches Skript an die Hand gibt, beteiligt sie uns umso mehr an einer Dramaturgie, in der sich Repräsentationen und Improvisationen, Fiktionen und Funktionen überlagern.

Carla Orthen M.A.